Mittwoch, 28. Dezember 2011

Falsch oder richtig

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt, werden wir oft sentimental und sehnen uns danach zurück, Dinge noch einmal gerade rücken zu können. Bestimmte Situationen noch einmal Revue passieren zu lassen und sich selbst zu korrigieren, ist ein Filmthema, weit entfernt vom realen Leben. Leider, mögen viele sagen. Ändern können wir daran nichts mehr. Was gesagt ist, ist gesagt, so peinlich es manchmal sein mag, gehandelt ist gehandelt, egal welche Konsequenzen die Handlung hat. Vornehmlich, aber ungern erinnern wir uns an für uns persönlich negative Aktionen oder Reaktionen, die wir später als "falsch" einschätzen. Falsch oder richtig ist immer eine Frage der Perspektive und der Einschätzung. In dem Moment, in dem etwas gesagt oder getan ist, ist es notwendig, richtig, gerecht oder was auch immer. Das "was auch immer" richtet sich nach den im Moment gelebten Gefühlen, nach den Werten, nach der Erziehung und nach der Erfahrung. Die einzige Konsequenz daraus ist, dass jeder etwas gelernt hat.
Und dieses Lernen ist das, was unsere persönliche Zukunft gestaltet. Was ich nicht mehr ändern kann, muss ich tragen und in einem neuen Lebensabschnitt integrieren. Ich kann das daraus resultierende Gefühl in einem verschlossenen Gefäß in einem Regal aufbewahren, so dass ich mir alles immer wieder anschauen kann, falls ich diese Erinnerung in einer späteren Situation dringend benötige. Ich kann sie mit einer Farbe meiner Wahl übermalen, kann sie in ein Zimmer einsperren, kann sie den Abfluss hinunterspülen oder in ein Buch schreiben. Eins kann ich nicht, sie vergessen. Unser Gehirn vergisst nichts und niemals.
Das Gehirn reagiert nach unangenehmen Situationen oder auch Druck von außen meistens mit körperlichen Symptomen. Es sucht sich die körperlichen Schwachstellen aus, an denen es am meisten drückt. Als Kopfschmerzen, als Gelenk- oder Knochenschmerzen, als Muskelverspannungen, als Bauchschmerzen, als Schlaflosigkeit, als Schweißausbrüche, als Unkonzentriertheit, als allgemeine Interessenlosigkeit... Oft wird eine medizinische Ursache ausgeschlossen und der Patient verlässt die Praxis ratlos. Chronisch können die Schmerzen dann werden, wenn das mentale Problem nicht gelöst wird. Wird diese Ursache mit fachlicher Unterstützung bearbeitet, verschwinden meist auch die Symptome.
Tja, werden Sie jetzt sagen, wie erkenne ich denn, dass ich ein mentales Problem habe? Ganz einfach: Denken Sie über ihre Aktionen und Reaktionen nach, bemühen Sie Ihre Erinnerung intensiv und rufen Sie sich die unangenehmen Situationen der letzten Zeit genau ins Gedächtnis zurück. Versuchen Sie, diese eine besonders unangenehme Situation genau nachzuvollziehen. Machen Sie einen Film daraus und übernehmen Sie ihre eigene Rolle noch einmal. Ihr Körper wird sofort reagieren. Spätestens dann wissen Sie, dass das mentale Problem besteht und noch nicht verarbeitet ist.
Verschwenden Sie keine Zeit und suchen Sie nach professioneller Unterstützung. Egal, ob die Krankenkasse bezahlt oder nicht. Es geht um Ihre Gesundheit.


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